BildmotivSiegel der Familie Zechenter-Laskomerský

BildmotivSiegel des Hans Zehender

BildmotivMatthias Zehender · Wappenbrief von 1641

BildmotivFranz Zechenter (1668–1723)

BildmotivKaiser Karl VI. · Auftraggeber der Ofener Gießerei

BildmotivAnton Zechenter (1701–1758)

BildmotivMarx Matthias Zechenter · Klagenfurter Seitenlinie

BildmotivBanská Bystrica · das historische Neusohl

BildmotivFürst Joseph Wenzel von Liechtenstein

BildmotivJoseph von Zechenter · Generaladjutant Josephs II.

BildmotivAnton von Zechenter · Übersetzer und Schriftsteller

BildmotivAlois von Saar · Landschafts- und Architekturmaler

BildmotivDr. Gustáv Kazimír Zechenter-Laskomerský

BildmotivEva Rosina Zechenter, geb. Beer

BildmotivGlocke von Bad Fischau-Brunn · Franz Zechenter, 1695

FilmaufnahmeGlockenklang im Kloster Vatopedi · Berg AthosOriginal auf YouTube ↗

01Name · Herkunft · Wandel

Vom Zehent
zum Zechenter.

MITTELALTER · Alpenraum

Bevor diese Geschichte beginnt, steht der Name selbst. Zechenter gehört zu historischen Schreibweisen wie Zehender, Zehenter, Zehentner oder Zechentner. Ihre sprachliche Grundlage liegt im Zehent, jener mittelalterlichen Abgabe, deren Einhebung und Verwaltung Vertrauen verlangte. Im alemannischen Raum begegnet häufig Zehender; in Wien, Ungarn und den östlichen Ländern der Habsburgermonarchie setzen sich später Zehenter und schließlich Zechenter durch.

Zehent · Zehender · Zehenter · Zechenter

02Amt · Maß · Recht

Der gerechte
Mann.

15.–17. JH. · Vorarlberg

Am Anfang steht noch nicht der Glockenguss. Hans Zehender erscheint 1458 als Junker und Vogt zu Bludenz und später als Hubmeister der Herrschaft Feldkirch. Heinrich Zehender wird Landammann von Rankweil. Diese Tradition reicht bis Leonhard Zehender, Assessor des kaiserlichen Landgerichts Rankweil und Sulz. Für jene Familie, deren Weg später nach Wien, Ofen und Neusohl führt, beginnt die sichtbare Geschichte mit Amt, Besitz, Maß und Recht.

Vogt · Hubmeister · Landammann · Güter · Weinberge

03Herkunft · Zeichen · Familie

Das Zeichen
der Zehender.

1641 · Feldkirch · Ravensburg

Am 8. Februar 1641 erhält Matthias Zehender einen Wappenbrief. Im gelben Schild stehen drei grüne Berglein, eine Staude mit drei Mairosen und zwei gekreuzte Streithämmer. Bereits das Siegel des Hans Zehender aus dem 15. Jahrhundert lässt verwandte Motive erkennen. Matthias lebt mit Maria Helbock in Rankweil; aus ihrer großen Familie führen die Wege bald weit über Vorarlberg hinaus – nach Wien, Kärnten, Ofen und Neusohl.

Wappenbrief · Dreiberg · Mairosen · Streithämmer

04Feuer · Klang · Wiederaufbau

Der erste
Gießer.

1695–1701 · Wien

Nach der Befreiung Wiens beginnt eine Zeit des Wiederaufbaus. Kirchen brauchen Glocken, die kaiserliche Artillerie neue Geschütze. Franz Zechenter verlässt Rankweil; 1695 tragen die Glocke von Bad Fischau-Brunn und der Wiener Bürgereid seinen Namen. Er heiratet Eva Rosina Beer und bewegt sich bald im Umfeld bedeutender Wiener Gießer. 1701 übernimmt er am Spittelberg die ehemalige Gießerei des Mathias Glaser.

Bad Fischau 1695 · Eva Rosina Beer · Spittelberg

05Bronze · Donau · Kaiser

Der Weg
nach Osten.

1716–1723 · Wien · Ofen

Franz bleibt nicht beim Glockenguss. 1716 überzeugen seine Probegüsse die kaiserlichen Stellen; ein Jahr später wird er nach Ofen berufen, um für die kaiserliche Artillerie zu arbeiten. Die Familiengeschichte folgt der Donau nach Osten. Aus Glocken werden Kartaunen und Quartierschlangen. Dasselbe Wissen um Metall, Temperatur, Form und Maß dient nun gleichermaßen dem Klang der Kirche und der Macht des Kaisers.

Probeguss 1716 · Berufung 1717 · Geschützbronze

06Vater · Sohn · Feuer

Das Erbe
im Guss.

1723–1758 · Ofen

Nach Franz Zechenters Tod vollendet sein Sohn Anton die begonnenen Geschütze. Die kaiserliche Artillerie prüft sie und befindet sie für gut. Aus einer persönlichen Karriere wird eine handwerkliche Dynastie. Anton übernimmt die Stellung des Vaters als kaiserlicher Stück- und Glockengießer, wird Bürger von Buda und besitzt Haus und Weinberge. Auf erhaltenen Kanonen erscheinen die Wappen von Daun, Königsegg und Liechtenstein.

Anton Zechenter · Ofen · Daun · Königsegg · Liechtenstein

07Kärnten · Glocke · Seitenlinie

Eine Spur
nach Süden.

1714–1741 · Klagenfurt

Während Franz in Wien und Ofen arbeitet, erscheint in Klagenfurt ein weiterer Gießer: Marx Matthias Zechenter. Er gießt Glocken, fertigt Pulverwaagen, Uhrschalen und Feuerlöschgeräte und ist auch als Büchsenmacher belegt. Seine Verbindung mit dem 1671 in Rankweil geborenen Matthias Zehender liegt nahe, ist aber noch nicht endgültig bewiesen. Die mögliche Seitenlinie bleibt eine besonders spannende offene Spur.

Marx Matthias · Klagenfurt · Glockengießer · Büchsenmacher

08Bergstadt · Bürger · Bronze

Die zweite
Gießerlinie.

1732–1750 · Neusohl · Banská Bystrica

Ein anderer Familienzweig führt weiter nach Osten. Franz Zechenter, 1698 als Sohn Leonhard Zehenders geboren, wird 1732 als Stück- und Glockengießermeister bezeichnet und Bürger von Banská Bystrica. Er baut sich als Hausbesitzer, Ringbürger und Glockengießer eine neue Existenz auf; sein Sohn führt das Handwerk weiter. Damit bestehen zwei gesicherte östliche Zechenter-Gießerlinien nebeneinander: Ofen und Neusohl.

Bürger 1732 · Ringbürger · Neusohl · Glockengießer

09Handwerk · Wissenschaft · Präzision

Vom Gießerhaus
zum Ingenieur.

1732–1757 · Ofen · Wien · Paris

Joseph von Zechenter wächst als Sohn des Ofener Stückgießers Anton unmittelbar in der Welt der Geschützgießerei auf. 1751 tritt er in die k.k. Ingenieur-Akademie in Wien ein; bald wird ihm die Stückgießerei beim Wiener Zeughaus übertragen. Fürst Joseph Wenzel von Liechtenstein schickt ihn nach Frankreich, wo er bei Jean Maritz moderne Verfahren zur präzisen Bearbeitung von Kanonenrohren kennenlernt. Aus Gießerwissen wird Ingenieurwissenschaft.

Ingenieur-Akademie · Wiener Zeughaus · Liechtenstein · Maritz

10Karte · Kaiser · Schlachtfeld

An der Seite
Josephs II.

1761–1790 · Europa

Josephs Karriere führt weit über die Gießerei hinaus. Er zeichnet militärische Pläne, dokumentiert Feldzüge und steigt in den Generalquartiermeisterstab auf. Als Generaladjutant begleitet er Kaiser Joseph II. auf Reisen nach Russland, Ungarn, Kroatien, Siebenbürgen und Galizien. Er untersucht Straßen, Übergänge und Festungen und organisiert militärische Bewegungen. 1790 erreicht der Sohn eines Kanonengießers den Rang eines Feldmarschalleutnants.

Joseph II. · Graf Falkenstein · Generalstab · Feldmarschalleutnant

11Sprache · Bühne · Europa

Vom Geschütz
zum Wort.

1772–1838 · Wien · Pressburg · Prag

Antons jüngerer Halbbruder Anton von Zechenter wählt einen anderen Weg. Im Militär- und Verwaltungsdienst tätig, widmet er sich zugleich Literatur und Sprachen. Er überträgt Voltaire, Racine und Corneille ins Ungarische und veröffentlicht 1785 in Prag den Ungarischen Anakreon. Später beginnt er nach den Ursprüngen seiner Familie zu forschen und sucht in Feldkirch nach Kirchenbucheinträgen und dem Wappenbrief von 1641.

Voltaire · Racine · Corneille · Anakreon · Familienforschung

12Bild · Reise · Landschaft

Geschichte wird
zum Bild.

1779–1861 · Habsburgermonarchie

Über Antons Schwester Franziska führt die Geschichte in die Familie von Saar. Ihr Sohn Alois von Saar wird an der Wiener Akademie zum Landschafts- und Architekturmaler ausgebildet. Seine Motive führen von Wien, Prag und Pest bis Belgrad und in die Walachei. Seine Ansichten finden Anerkennung bis an den Hof. Das Land, das Joseph militärisch vermessen hatte, wird in derselben erweiterten Familie zum Gegenstand der Kunst.

Alois von Saar · Wiener Akademie · Prag · Pest · Karolina Augusta

13Arzt · Natur · Literatur

Ein neuer
Zechenter.

1824–1908 · Banská Bystrica · Kremnica

Auch die Neusohler Linie lebt weiter. Gustáv Kazimír Zechenter-Laskomerský wird Arzt, Naturforscher und Schriftsteller und zu einer bedeutenden Persönlichkeit des slowakischen Kulturlebens. Die Welt hat sich verändert, doch ein Motiv bleibt: Praktische Arbeit verbindet sich mit Beobachtung, Bildung und öffentlicher Verantwortung. Fast zwei Jahrhunderte nach Matthias in Rankweil trägt der Name Zechenter in einer völlig anderen Welt weiter.

Arzt · Naturforscher · Schriftsteller · Neusohler Linie

14Werkstatt · Besitz · Fortbestand

Die Frauen
hinter dem Namen.

17.–18. JH. · Wien · Kärnten · Ofen

Die Geschichte wurde nicht allein von jenen Männern getragen, deren Namen auf Glocken und Kanonen stehen. Eva Rosina Beer bewahrt den Besitz am Spittelberg. Maria Regina Koßmatsch hält die Klagenfurter Werkstatt zusammen; Maria Magdalena Zechenterin nennt eine Glocke von 1751 ausdrücklich als Gießerin. In Ofen erweitert Franziska Gabrielly den Familienbesitz. Ohne diese Frauen wären Werkstätten, Vermögen und Linien nicht in derselben Form weitergegeben worden.

Eva Rosina Beer · Maria Regina Koßmatsch · Franziska Gabrielly

15Bronze · Zeugnis · Erinnerung

Was vom Feuer
geblieben ist.

17.–18. JH. · Europa

Von den Menschen bleiben Namen in Akten. Von den Gießern bleiben Glocken, Kanonen und Mörser. Die Glocke von Bad Fischau-Brunn trägt noch immer Franz Zechenters Namen; in Mödling haben mehrere seiner Glocken Kriege und Beschlagnahmungen überstanden. Von Anton Zechenter sind schwere Bronzekanonen erhalten, mehrere davon im Heeresgeschichtlichen Museum. Was glühend aus der Form kam, ist selbst zur historischen Quelle geworden.

Bad Fischau · Mödling · Ofen · Heeresgeschichtliches Museum

16Klang · Ferne · Gegenwart

Die Glocken
klingen weiter.

BIS HEUTE · Europa

Die unmittelbarste Verbindung zur Vergangenheit liegt nicht im Museum. Einige Zechenter-Glocken hängen noch dort, wofür sie geschaffen wurden. In Mödling sind Glocken Franz Zechenters Teil des Geläuts von St. Othmar; weitere Spuren reichen bis Budapest und in die Klosterwelt des Berges Athos. Diese Geschichte endet nicht mit einem Todesjahr und nicht in einem Archiv. Irgendwo wird noch immer eine Glocke angeschlagen.

Mödling · Budapest · Berg Athos · lebendiger Klang

Scroll durch die Zeit

Quellenbasis · Jahrbuch 2023 „Edle von Zechenter“ · Impressum & Lizenzen